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Samstag, 20. Mai 2006
Fachkonferenz in der neuen Eventhalle |
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Um die praktischen Fragen der Zusammenarbeit im Ostseeraum
ging es am Samstag, 20. Mai, unter der Moderation von
Bernd Müller vom Westdeutschen Rundfunk.
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Bernd
Müller, WDR |
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Rechtsanwalt
Rando Antsmäe, Tartu, erläuterte Rechtsfragen
in der Zusammenarbeit mit Estland, mit Hinweisen zu
Lettland und Litauen. Und er räumte gleich mit
einem Vorurteil auf: „Wir sind schon lange kein
Randgebiet mehr, unser Rechtssystem ist vielleicht moderner
und stabiler als das der EU.“
Mit dem Zusammenbruch der UdSSR vor 15 Jahren hat Estland
enorme Reformen unternommen, jetzt ist das Rechtssystem
fast fertig. 2002 gab sich das Land ein fast neues Zivil-
und Strafrecht, nachdem sich Nachteile gezeigt haben
– „die haben wir geändert.“ Auch
für Logistiker und Frachtführer ist das neue
Recht sehr wichtig: So haben konkrete Regelungen bezüglich
der Logistikkette lange Zeit gefehlt. „Früher
war uns der Begriff Speditionsrecht fremd. Wir haben
zwar versucht zu verstehen, worüber der Partner
redet, aber es hat viele Missverständnisse gegeben.“
Das estnische Wirtschaftsrecht ist eng mit dem deut-schen
Recht verwandt. So gibt es in beiden Ländern privatrechtliche
juristische Personen und juristische Personen des öffentlichen
Rechts. Als wichtigste Han-delsgesellschaften sind Gesellschaften
mit beschränkter Haftung und Aktiengesellschaften
üblich – wie die meisten Häfen. Auch
UGs und offene Gesellschaften sind denkbar, aber eher
unbekannt und unüblich.
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RA
Rando Antsmäe, Tartu |
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Vor zwei Jahren
wurde das Handelsrecht weitreichend geändert, vor
allem im Haftungsrecht in Bezug auf die Mitglieder der
Leitorgane und Gesellschafter. Das Transportrecht nimmt
jetzt im Schuldrechtsgesetz ein ganzes Kapitel (§§
774 ff) ein. So wird inzwischen zwischen Fracht- und
Speditionsvertrag unterschieden. Der Frachtvertrag folgt
den allgemeinen Bestimmungen eines Werkvertrages und
ist mehr auf ein Ergebnis ausgerichtet. Speditionen
schließen zumeist einen Dienstvertrag ab, der
mehr auf den Prozess ausgerichtet ist.
Nach wie vor behindern praktische Probleme vor allem
mit Russland die Wirtschaft: Als Beispiele nannte Antsmäe
die langen Wartezeiten und schlechte Behandlung an den
Grenzen sowie die ständigen Änderungen der
Formalitäten. Die drei vorhandenen Grenzübergänge
sind schon zu Zeiten der UdSSR zu klein gewesen. Entsprechend
ergeben sich Wartezeiten, die mal vier, teils aber auch
zehn Tage betragen können. In dem Zusammenhang
warnte er vor Verträgen, bei denen der Absender
für die Kosten der Zwangspause aufkommen muss.
Zudem wies er darauf hin, dass die drei baltischen Staaten
unterschiedliche Rechtssysteme haben und es keinen einheitlichen
Rechtsraum gibt.Auch in der Logistik unterscheiden sich,
so der Rechtsanwalt, die Länder: In Estland gibt
es mehr Sicherheit bei der Qualität, weswegen die
Preise auch höher sind. Im Vergleich sind Lettland
und Litauen günstiger.
„Die Deutschen machen oft den Fehler, dass sie
versuchen, ihr Rechtssystem anzuwenden. Aber die beiden
Rechtssysteme sind auch wieder nicht so unterschiedlich
wie die von Deutschland und Frankreich.“
Er berichtete, dass sich deutsche Firmen in den letzten
zwei Jahren vor allem im Maschinenbau, in der Holzverarbeitung
sowie im IT-Bereich – wo viele Unternehmen die
Möglichkeiten des Outsourcing nutzen – engagieren.
„Tallinn ist eine Hansestadt, seit 1248 zuverlässiger
Partner und lag schon immer im Zentrum historischer
Handelsrouten“, begann Hannes Kuhlbach, Leiter
des Immobilienmanagements Hafen Tallinn, seinen Vortrag
über die vier Häfen, die im Port of Tallinn
zusammengefasst sind. Die boomende Ostseeregion hat
dazu geführt, dass die Kapazität der russischen
Häfen ausgeschöpft ist und die Straßen
im westlichen Europa verstopfen. Deshalb schlug er Tallinn
als Alternative vor: Mit guten Verbindungen nach Europa
und Russland, unbehindert von Eisgang und vor allem
mit den Kapazitäten, um auch große Verkehrszuwächse
abzuwickeln. Zudem bietet sich Tallinn als Hub für
Russland mit Eisenbahnverbindungen bis nach China und
Zentralasien, Kasachstan und die Ukraine an. Regelmäßige
Container-Linien schließen Tallinn Richtung Westen
bis nach Großbritannien an.
Der Port of Tallinn besteht aus vier Häfen: Muuga
Harbour bietet acht Ölterminals, einen Containerter-minal,
einen RoRo-Terminal sowie zwei Terminals für andere
Waren. Unter anderem stehen fast 90.000
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Hannes
Kuhlbach, Leiter des
Immobilienmanagements
Hafen Tallinn |
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Quadratmeter
Lagerhausfläche, 368.400 Quadratmeter Freilagerfläche,
622.600 Kubikmeter Öltanks und Getreidespeicher
mit 300.000 Tonnen Kapazität zur Verfügung.
Der Old City Harbour ist vor allem für Passagier-
und Cruiseschiffe gedacht und bietet neben speziellen
Fazilitäten vier Passagierterminals und RoRo-Verlademöglichkeiten.
Der Paldiski South Harbour ist ebenfalls in der Lage,
Passagierschiffe abzufertigen, hier stehen aber auch
Güterumschlagsmöglichkeiten zur Verfügung.
Der Saaremaa Hafen ist ausschließlich für
Cruiseliner gedacht und werde im Sommer diesen Jahres
fertig gestellt.
Der Port of Tallinn ist im Besitz des Staates Estland
und wickelt 85 Prozent des Güterumschlages des
Landes ab – im vergangenen Jahr immerhin 40 Mio.
Tonnen, was die Hafenbehörde zu einer der „lebhaftesten
im gesamten Baltikraum macht“, wie Kuhlbach warb.
In den Ausbau aller Anlagen hat das Land zwischen 1999
und 2004 insgesamt 205 Mio. Euro investiert, in den
kommenden vier Jahren sollen weitere 317 Mio. Euro folgen.
Lettland als geographisches Zentrum des Baltikums,
als Brücke zwischen Ost und West und als äußere
EU-Grenze zu Russland und Weißrussland stellte
Ginta Petra von der Investitions- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft
LIAA unter der Überschrift „Die Seehäfen
Lettlands: Aktuelle Entwicklungen“ vor. Standorte,
die von Hamburg ebenso weit entfernt sind wie die Hanse-stadt
von München, wie die Expertin an einer Karte zeigte:
„Nichts liegt näher.“
Dort warten auf Besucher 494 Kilometer Ostseeküste,
2,3 Mio. Einwohner, die neben Lettisch auch Russisch,
Englisch und Deutsch sprechen. Und sehr gute wirtschaftliche
Bedingungen: Die Währung Lats ist stabil, der Beitritt
zur Eurozone für 2008 festgelegt. Die Bürger
erfreuen sich eines stetigen BIP-Wachstums, niedriger
Steuersätze, konkurrenzfähiger Kosten, einem
offenen Markt, geringer Bürokratie und einer entsprechend
positiven Einschätzung der Analysten als Investitionsland.
So hat die World Bank bescheinigt: „Lettland gehört
zu den Top 20 Ländern mit den kürzesten Firmengründungsfristen
der Welt.“
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Ginta
Petra, Investitions- und
Wirtschaftsförderungsgesellschaft
LIAA |
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Wichtige Kerndaten
für die Logistik, so warb Ginta Petra, sind die
Lage an der äußersten Grenze der EU, drei
internationale Häfen, Fremdsprachenkenntnisse der
Logistikfachleute in Englisch, Russisch, Lettisch und
oft auch Deutsch, e-Logistik, eine ausgebaute Infrastruktur
für Eisenbahn, Straßennetz, Seetransport
sowie Rohrleitungen und ein mit Russland und den GUS-Staaten
integriertes Eisenbahnnetzwerk. Partner aus EU-Ländern
finden pro Woche 50 Flugverbindungen nach Deutschland
vor, Fährverbindungen nach Finnland, Schweden und
Deutschland und einen stabilen Güterfluss von Russland,
den GUS-Staaten, USA, Japan, China und anderen Ländern.
Außerdem gibt es Standorte für regionale
Distributions-Zentren und Terminals für das Baltikum,
Russland und GUS sowie keine Mehrwertsteuer bei Geschäften
mit der EU. Die Wirtschaft legt ihre Priorität
auf Logistik, internationale Markenführer planen
oder eröffnen weitere Lager und Distributionszentren.
Die EU stellt Fördermittel für den Logistik-Bereich
in Lettland zur Verfügung, darunter 5 Mio. Euro
für Investitionen in die Infrastruktur der kleinen
Seehä-fen sowie 135,5 Mio. Euro für andere
Hafenprojekte.
Im Land liegen drei große Seehäfen, Liepaja,
Riga und Ventspils, und sieben kleine (Ainazi, Engure,
Mersrags, Pavilosta, Roja, Salacgriva und Skulte). Ihnen
gemeinsam ist, dass sie 1990 zunächst in eine wirtschaftliche
Krise gerieten und der Umsatz um rund 24 Prozent sank.
Es wurden jedoch Kapazitäten ausgebaut. Außer-dem
ist eine Diversifizierung der Dienstleistungen in den
Häfen festzustellen. Als Beispiele nannte die Expertin
Zoll, Lagerkapazitäten, Flüssig-, Stück-,
Container- und Kombiladungen. Derzeit werden 93 Prozent
aller Waren in den Häfen versendet, 7 Prozent empfangen.
In den Arealen haben sich etwa 250 Unternehmen angesiedelt.
In den drei großen Seehäfen wurden Sonderwirt-schaftszonen
eingerichtet. In ihnen winken den Unternehmen ein bis
zu 50-prozentiger Körperschaftssteuernachlass vom
Investitionsumfang, ein Wegfall der Mehrwertsteuer auf
Güter und Dienstleistungen, ein 80- bis 100-prozentiger
Nachlass auf Immobilien- und Einkommenssteuer sowie
Sonderregelungen für die Befreiung von Zöllen,
Verbrauchssteuern sowie der Mehrwertsteuer und der Abgaben
auf Umweltressourcen.
„St. Petersburg ist, war und wird es auch bleiben,
das Rückgrad der Wirtschaft und befindet sich in
einem stetigen Wandel“, erklärte Sonja Kurapka
vom Bundesverband für Wirtschaftsförderung
und Außenwirtschaft, die aktuelle Entwicklungen
im Logistiksektor in der Region St. Petersburg, Novgorod
und Pskow beleuchtete.
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Sonja
Kurapka, Bundesverband für
Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft |
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| In der Sowjetunion
waren die Industrie- und Handelsunternehmen selbst für
die Beschaffung und Distribution der Waren zuständig.
Das habe dazu geführt, dass die Unternehmen Rohstoffe
und Waren in großen Mengen einlagerten, um Engpässe
überbrücken zu können. Allerdings waren
logistische Leistungen wie zum Beispiel Sammelguttransporte
oder Paketdienste unbekannt. Stattdessen waren Tür-zu-Tür-Transporte
per Bahn üblich, oft vom Lager des Produzenten bis
zum Lager des Käufers.
Organisationsstrukturen, so die Beraterin, die noch
heute den russischen Verkehrsmarkt prägen. Allerdings:
Während in den staatlichen Unternehmen häufig
keine Veränderung in der logistischen Denkweise
festzustellen ist, entwickeln die stetig mehr werdenden
privaten Unternehmen eigene logistische Konzepte, vor
allem im Einzelhandel und als Logistikdienstleister.
Kritisch wirke sich aus, dass es derzeit noch keinen
Wettbewerb gibt und sich auch nur wenige Unternehmen
im Logistiksektor positionieren. Zudem führen eine
geringe Bedeutung der Logistik gekoppelt mit fehlendem
Management und mangelndem Know-how oftmals zu hohen
Logistik- und Lagerkosten. Schließlich steigt
der Outsourcinganteil nur langsam. Es gilt, so warnte
Sonja Kurapka weiter, zu berücksichtigen, dass
der internationale Verkehr stärker wächst
als der nationale, die verkehrsübergreifenden multimodalen
Verkehrsketten zunehmen, verstärkt branchenspezifische
und innovative Logistikkonzepte verlangt werden und
sich wahrscheinlich der zunehmende Wettbewerb in der
Transportwirtschaft auf den Austausch hochwertiger Güter
mit guten Transportpreisen konzentrieren wird.
Derzeit hat die Bahn in Russland noch einen Anteil
von 83 Prozent am Modal Split in tkm. Allerdings lässt
die Zuverlässigkeit abseits der großen Verbindungen
schlagartig nach. Seit 2000 besteht ein deutlicher Trend
zur Straße. Schließlich bietet der LKW besonders
beim Transport kleiner Mengen und bei der Feinverteilung
erhebliche Flexibilitätsvorteile. Es fehlt jedoch
noch an einem flächendeckendem Straßennetz
sowie multimodalen Güterumschlagspunkten. Der dritte
Verkehrsträger Schifffahrt ist eine sehr stark
wachsende Branche. Als wesentlichen Grund nannte die
Beraterin das sehr dynamisch steigende Exportaufkommen
an Rohöl und Mineralölerzeugnissen. Größter
Umschlagspunkt ist St. Petersburg, den stärksten
Anteil am Güterumschlag haben mit 75 Prozent russische
Seeschifffahrts-gesellschaften. Bei der Binnenschifffahrtsflotte
ist hingegen seit 1990 ein stetiger Abbau des Bestands
zu beobachten.
Der Containerverkehr weist getragen von dem intensiven
Außenhandel mit Westeuropa derzeit mit 30 Prozent
ein besonders hohes Wachstum aus. Eine besondere Rolle
spielt in dem Zusammenhang auch die Transsibirische
Eisenbahnmagistrale (Transsib). Durch regelmäßige
Containerzüge und einen reibungslosen Zu- und Ablauf
zu ihr sind Top-Verbindungen zwischen den GUS-Staaten
und Europa möglich. Auch der Container-Seeverkehr
wächst seit 2000, am stärksten in den Häfen
St. Petersburg, Kaliningrad und Nowosibirsk.
St. Petersburg kommt als „Tor zum Westen“
eine führende logistische Rolle in Russland zu.
Und im Außenhandel sind derzeit deutsche Unternehmen
mit einem Anteil von 15 Prozent führend. Sie investieren
erheblich in den Bereich Logistik, nicht zuletzt wegen
Investitionsgarantien der Administration, Gewinnsteuerermäßigungen,
vergünstigte Vermietung von Immobilien sowie Unterstützung
und Beteiligung der Stadt an ausgewählten Investitionsprojekten.
Zu den Wachstumsregionen Russlands zählt auch
Novgorod, das an den wichtigsten Verkehrsknoten zwischen
Moskau und St. Petersburg liegt. Die Region unterhält
zum Beispiel einen Fond, der Investoren gegen gesetzliche
Änderungen im Laufe ihres Engagements absichert.
Auch das hat bereits 150 Investoren angelockt –
viele davon mittelständisch. Pskow hat ein hohes
wirtschaftliches Potenzial, so die Beraterin, das es
der grenznahen Lage verdankt, die Verkehre aus den nördlichen
EU-Ländern begünstigt. In den ersten Monaten
des Jahres 2006 ist der Zollumsatz um 4 Prozent gestiegen,
zudem ist eine Wasserverbindung zwischen Pskow und Tartu
in Estland geplant.
Zukünftig gehen Experten von einem Marktvolumen
für Logistik in Gesamtrussland von rund 120 Mrd.
US-Dollar aus. Die Wachstumsprognosen werden auf 15
Prozent pro Jahr geschätzt, als besonders wachstumsstark
gelten Logistikplanung und SCM. Es ist ein steigender
Bedarf an modernen Lagerimmobilien ebenso festzustellen
wie die Tendenz zur Auslagerung logistischer Leistungen
an Dienstleister.
Die Beraterin hatte aber auch warnende Worte für
ausländische Investoren: „Der russische Verkehrsmarkt
unterscheidet sich auch bei den Verkehrsträgern
gravierend von westeuropäischen Märkten. Man
trifft oft auf veralterte Lagerflächen aus historisch
gewachsenen Industriegebieten. Kompetente interne Logistikabteilungen
in Unternehmen existieren kaum und noch ist das Prinzip
Eigennutzer stark vertreten.“ Komplexe Transportlösungen,
insbesondere mit der Bahn, sind noch Einzelfälle
und die Nachfrage nach Lagerflächen ist derzeit
teilweise höher als das Angebot. Ein Grund: Moderne
Logistik-Zentren mit zusätzlichen Dienstleistungen
existieren nicht – obwohl eine Nachfrage nach
solchen Dienstleistungen besteht. Zudem warnt sie, dass
es derzeit in Russland Wirtschaftspolitik ist, Wirtschaft
und Politik nicht zu trennen: „Russland betreibt
Politik durch sein Rohstoffgeschäft.“
Einen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg hat Polen
in den vergangenen Jahren vorgelegt, berichtete Dr.
Reinard Klein von der Deutsch-Polnischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft,
„aber es gibt noch viel zu tun.“ Das betrifft
unter anderem die Arbeitslosenquote, die derzeit bei
17,6 Prozent liegt.
Allerdings, so die Meinung des Experten, stimmen die
wirtschaftlichen Eckdaten: Die Inflation lag im Jahresmittel
2005 bei 2,1 Prozent, die ausländischen Direktinvestitionen
belaufen sich inzwischen auf ins-gesamt 92,2 Mrd. US-Dollar.
Gute Chancen auch für Deutschland, in das 28,9
Prozent aller Exporte fließen. Im Gegenzug dazu
liegt Polen auf Platz 10 der Liste der wichtigsten Länder
für den deutschen Außenhandel. Der Außenhandelsumsatz
Deutschland – Polen summierte sich auf 37,99 Mrd.
Euro, wobei die Importe aus Polen 16,09 Mrd. Euro wert
waren und die Exporte nach Polen 21,9 Mrd. Euro, was
einen Außenhandelsüberschuss von 5,81 Mrd.
Euro ergibt.
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Dr.
Reinard Klein, Deutsch-Polnische
Wirtschaftsförderungsgesellschaft |
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Bei einer Befragung
deutscher Unternehmen in Polen, warum sie sich in dem
Land engagieren, gaben 73,8 Prozent an, dass sie der
Absatzmarkt von 40 Mio. Einwohnern interessiert, 34,9
Prozent nannten die niedrigen Lohnkosten und 25,2 Prozent
die EU-Mitgliedschaft. 52 Prozent der Unternehmen halten
es für sehr wahrscheinlich, dass sie in Zukunft
weitere Investitionsvorhaben in Polen realisieren, 28
Prozent gehen davon sogar mit Gewissheit aus.
Die in Polen erwirtschafteten Gewinne wollen 47 Prozent
der Unternehmen komplett, weitere 33 Prozent zumindest
teilweise reinvestieren. Allerdings müssen sie
zudem den Wettbewerb in Polen meistern, den 31 Prozent
als extrem scharf, 6 Prozent als scharf und 42 Prozent
als normal einschätzen.
Als gute Standortfaktoren (jeweils die ersten drei
Nennungen) wurden unter anderem die Kontakte zur polnischen
Unternehmerschaft, die Leistungen der Rechtsanwälte
und Steuerberater sowie die Situation an der Grenze
genannt, negativ stießen Administrationsabläufe
generell, der Umfang der staatlichen Vorgaben und Reglementierung
sowie die Verkehrsinfrastruktur und der Umfang der staatlichen
Kontrollen und Prüfungen auf. Verbessert habe sich
die Lebensqualität insgesamt, die Kaufkraft und
das allgemeine Dienstleistungsniveau, verschlechtert
dagegen der Umfang der staatlichen Vorgaben und Reglementierungen,
das Preisniveau und das Lohnniveau.
Das Zusammenleben klappt dafür relativ reibungslos:
57 Prozent der befragten deutschen Unternehmer in Polen
geben an, dass sie aufgrund ihrer oder der Nationalität
ihrer Mitarbeiter noch nie auf Vorbehalte gestoßen
sind, nur 30 Prozent meinten auf diese Frage, „ja,
im Einzelfall“. Und immerhin 82 Prozent würden
deutschen Firmen zu einem wirtschaftlichen Engagement
in Polen raten – nach guter Vorbereitung und mit
ausreichendem Eigenkapital.
Der Kauf von Immobilien sei, so lange ein wirtschaftlicher
Zweck verfolgt wird, unbegrenzt möglich, das Lohnniveau
liegt zwar generell geringer als in Deutschland, kann
aber je nach Branche und Region deutlich variieren:
„Polen ist kein Billiglohnland mehr.“
Die stellvertretende Bürgermeisterin Angelika
Quiring-Perl meinte zum Abschluss des ersten Neuss Düsseldorfer
Hafentages, dass bewiesen worden sei, dass Hafen und
Hafengeschichten spannende Themen sind. „Und dass
der Hafen und die Firmen gut aufgestellt sind und positiv
in die Zukunft blicken können.“
Den Hafentag lobte sie als sehr attraktive und professionelle
Veranstaltung.
Im Anschluss an den offiziellen Teil des Hafentages
nutzten am Samstag, 20. Mai, zahlreiche Teilnehmer noch
die Gelegenheit, im Rahmen des kulturellen Begleitprogramms
die Stadt Neuss auf kurzweilige Art zu erkunden. Bei
einer humorvoll-ironischen Stadtführung wurde unter
anderem erläutert, wie die Stadt Neuss als Römerlager
entstand, das Leben innerhalb der Mauern zur Zeit der
Hanse, die Belagerung der Stadt durch Karl den Kühnen
und die Ernennung zur Hansestadt durch den Kaiser war
sowie die zahlreichen Verbindungen zur Hanse in der
Moderne.
Zum Abschluss schenkte die Stellvertretende Bürgermeisterin
der Stadt, Frau Angelika Quiring-Perl den Teilnehmern
aus der Ratskanne den „Neusser Hansewein“
ein: Mit dem Hansewein wird daran erinnert, dass Neuss
im Mittelalter nicht nur wichtiger Umschlagplatz von
Gewürzen und Getreide, sondern auch von Bier und
Wein war...
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Stellvertretende
Bürgermeisterin der Stadt,
Frau
Angelika Quiring-Perl mit Teilnehmern
der
Neusser Ratskanne |
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